Wie wir uns selbst davon abhalten, etwas Neues auszuprobieren

Vor ein paar Wochen habe ich eine kleine Wanderung gemacht – alleine – was ehrlich gesagt selten vorkommt. Ich habe es sehr genossen, mir selbst zu überlegen, welchen Weg ich gehe, wie schnell ich ihn gehe und wann ich eine Pause einlege. Außerdem hatte ich keine Ablenkung durch ein Gespräch, sondern war einfach mit mir, meinen Gedanken und der Natur alleine.

So bin ich dahin gegangen und plötzlich war da eine kleine, dunkle Höhle. Diese Höhle und was sie mit mir machte, hat mich danach noch länger beschäftigt.

Ich stand also da, blickte auf den Höhleneingang und überlegte, ob ich hineinschauen soll. Die Neugierde war groß, aber mein Gehirn fing an, wie wild zu arbeiten. Es dauerte nur Bruchteile von Sekunden und schon hatte ich die wildesten Bilder vor meinen Augen, was alles in dieser Höhle sein könnte. Es schossen mir Bilder von Horrorfilmen von vor 10 Jahren durch den Kopf. Ich hatte Angst, dass darin ein Bär sein könnte oder Menschen, die sich hier versteckten und mir auflauerten.

Ich hatte tatsächlich für ein paar Sekunden Angst

Das Ganze dauerte vermutlich nicht einmal 30 Sekunden. Was allerdings sehr interessant dabei war, ich konnte mich dabei beobachten, wie ich mir selbst Angst machte.

Natürlich war mir bewusst, dass kein Bär auf mich warten wird oder mich irgendwelche anderen wilden Gestalten überfallen, sobald ich die Höhle betrete. Ich musste auch ein bisschen über mich selbst schmunzeln, bei den Bildern, die mir mein Gehirn so „zeigte“. Und dennoch hatte ich ein mulmiges Gefühl, als ich die Höhle schlussendlich mit meiner Handy-Taschenlampe etwas ausleuchtete.

Und siehe da, sie war leer. Es waren sogar Türen dahinter eingebaut und es war vermutlich ein früheres Versteck von Jägern. Erleichterung und Faszination machten sich breit 😉

Wie wir uns selbst davon Abhalten können, etwas Neues auszuprobieren

Mein Erlebnis ist nur ein kleines  Beispiel, wie wir uns selbst Angst machen können, etwas Neues auszuprobieren. Wenn ich meinen Gedanken vor der Höhle geglaubt hätte, ich wäre nicht hineingegangen. Ich hätte dem Unbekannten keine Chance gegeben, weil ich meinen fiktiven Bildern im Kopf mehr Beachtung geschenkt hätte.

Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Viele von uns haben Angst vor dem Neuen und Unbekannten. Wir haben Angst, aus gewohnten Bahnen auszubrechen und etwas auszuprobieren, das wir nicht kennen.

Manche gehen lieber auf Nummer sicher und schrecken vor Veränderung sogar zurück. Sie gehen immer nur in die gleichen Lokale, hören die gleiche Musik, kochen die gleichen Gerichte. Es geht manchmal sogar soweit, dass sie die Arbeitsstelle nicht wechseln, obwohl woanders die Verdienstmöglichkeiten oder Aufstiegschancen besser wären.

Das Unbekannte wirkt manchmal bedrohlich. Es macht Angst, nicht zu wissen, was kommt!

Neues und Unbekanntes macht das Leben faszinierend und spannend

Menschen, die ein erfülltes Leben führen, sind stets auf der Suche nach dem Neuen und Unbekannten. Für sie liegt darin etwas Spannendes und Faszinierendes. Sie sind von dem Neuen so begeistert und immer bereit, es auszuprobieren.

Wenn wir allerdings unser Leben immer nur in gewohnten und vertrauten Bahnen führen, dann ist es wie eine Flasche Mineralwasser, die für zwei Tage offen stand. Die Kohlensäure ist raus und das Wasser schmeckt fad und langweilig.

So wird auch unser Leben eintönig und trist, wenn wir das Neue aus ihm fernhalten.

Langeweile und Routine vermindern die Dopaminproduktion

Dopamin, eines unserer Glückshormone, wird ausgeschüttet, sobald wir positive Erfahrungen machen, unerwartet Positives erleben und etwas Neues ausprobieren. Langeweile vermindert jedoch die Dopaminproduktion und macht uns antriebslos.

Das Navi würde sagen: „Die Route wird neu berechnet

Damit unser Leben nicht eintönig und fad wird, müssen wir immer wieder neue Wege gehen, die die Möglichkeit neuer Erfahrungen in sich bergen. Ansonsten kann unser Leben nicht prickelnd und aufregend sein.

„Das Neue macht immer Angst, aber das Neue ist das Leben und nur durch das Neue erreichst du neue Quellen des Lebens, des Glücks.“ – Bhagwan

Die meisten Menschen, die das Risiko eingehen, etwas Neues auszuprobieren und neue Wege zu gehen, werden für ihren Mut auch belohnt. Sie sind mit sich und mit ihrer Arbeit zufrieden, ihre Beziehungen zu anderen Menschen, den Kindern, dem Partner oder den Freunden ist intensiver und befriedigender.

Daher: Sei mutig und gehe wieder neue Wege!

Hier noch eine kleine Übung für deinen Alltag:

Tue jeden Tag etwas Ungewohntes/Neues

Wir können uns dorthin trainieren, immer wieder Neues auszuprobieren und unser Leben wieder prickelnd und spannend zu machen.

Mache jeden Tag mindestens eine Sache, die für dich neu ist (dir vielleicht ein bisschen Angst macht). Und es müssen keine großen Sachen sein, kleine Dinge reichen vollkommen aus:

  • Probiere ein neues Restaurant aus
  • Koche ein Rezept, wo du dir nicht vorstellen kannst, dass die Zutaten zusammen passen (aus eigener Erfahrung wird man zu 99,9% positiv überrascht :D)
  • Führe mit einem Verkäufer einen kurzen Smalltalk
  • Probiere eine neue Sportart aus (es gibt unzählige Möglichkeiten, Schnupperstunden zu besuchen)
  • Frage eine fremde Person nach dem Weg, anstatt Google Maps zu benutzen

Wenn du dir jetzt überlegst, du machst ein Jahr lang mindestens einmal am Tag etwas, das dir ein bisschen Angst gemacht hat, dann hast du 365 Mal deine Angst überwunden. Das bedeutet zusätzlich, dass du 365 Mal einen kleinen Schub für dein Selbstvertrauen bekommen hast und du von Tag zu Tag mutiger wirst!

Viel Spaß bei der Übung und liebe Grüße,

Marianne